Karl Lang               1911 - 2003


 

Die Kunst ist zwar nicht das Brot, aber der Wein des Lebens.

 

                                                                                                                              Christa Nothhelfer in der Laudatio auf Karl Lang bei der Retrospektive 1996 in Kunstforum Büsingen

 

 

 

Karl Lang Archiv Portrait Büsingen
Portrait einer älteren Dame mit weißem Haar, 1937, Öl auf Karton, 48x37 cm
Karl Lang Archiv Büsingen
Portrait einer alten Frau ( Studie zu Ölbild) , 1938, Bleistift, 42 x 39 cm
Karl Lang Archiv Büsingen bergkirche
Büsinger Bergkirche, 1935, Öl auf Leinwand, 52 x 74 cm

 

Das Bild der Büsinger Bergkirche entstand kurz vor Karl Langs Aufnahme in die Kunstakademie Karlsruhe. Ein Architekt, der zum Ausmessen von K.L. Elternhaus gekommen war, wurde auf die Bilder Langs aufmerksam und machte diesen mit dem im wenige Kilometer entfernten Randegg lebenden Otto Dix bekannt. Dieser wurde prägend für den Werdegang Karl Langs.

 

Das ist ein muffiger Mann gewesen, der Dix; ich bin dagestanden wie der Esel am Berg, der nicht weiß, was los ist. Dann hat er mit den Achseln gezuckt und die Frau Dix hat gesagt: "Herr Lang, da ist was drin, da steckt Begabung drin." Dann hat er mir ein Zeugnis geschrieben, das habe ich der Kunstschule gebracht und habe dann dort Probezeit gemacht.

 

Aus den Lebenserinnerungen von Karl Lang, aufgezeichnet von Klaus Antons

 

 

Karl Lang portrait Archiv Büsingen
Kind mit Apfel, 1936, Öl auf Karton, 47x38,5 cm
Karl Lang Archiv Büsingen
Knabenportrait (Felix Ruf), 1937, Bleistift, 39 x 29 cm
Karl Lang Archiv Büsingen
Rhein mit Haus Friedau, 1932, Öl auf Leinwand, 47 x 65 cm

Das älteste von Karl Lang erhaltene Ölbild, zur Zeit dessen Enstehung war K. L. 20 Jahre alt und Autodidakt. Dieses sowie das Bild der Bergkirche und ein nicht bekanntes drittes wurde 1935 von dem Architekten Ehrlich aus Singen Otto Dix vorgestellt, damit Langs Aufnahme in die Kunstakademie 1936 (versehen mit Unterstützung dessen damaligen Arbeitgebers sowie eines weiteren Sponsoren) in die Wege geleitet.

 

Aus dieser Zeit stammt auch ein in etwas pathetischer Sprache verfasster Zeitungsartikel über den damaligen Autodidakten Karl Lang:

 

Seine Freizeit hat er immer dazu  benutzt, schönheitstrunken seine Heimat zu sehen, unser idyllisches Rheinufer  mit der entzückenden  Landschaft in wunderbarer Farbenharmonie im Bilde festzuhalten. Ohne jede Anleitung hat er zahlreiche, sehr beachtliche Orginal - Ölgemälde, Zeichnungen von Charakterköpfen usw. geschaffen, auf die zufällig ein Kunstkenner gestoßen ist. Ohne Zutun des  bescheidenen jungen Mannes kamen die Bilder zur Kritik  vor Fachkünstler und wurden zuletzt an der Akademie beurteilt. Überall, auch dort, hat man übereinstimmend anerkannt, dass zweifelsohne nicht ein gewöhnlicher Dilettant  den Pinsel führt, sondern  dass hier eine außergewöhnliche Begabung  im "Holze" liegt.

 

 

 

 

Karl Lang Portrait Archiv Büsingen
Portrait Wilhelm, der Philosoph, 1937, Öl auf Sperrholz, 46,5x38,5 cm

 

 

 

Nach einem halben Jahr hat der Siebert (Professor an der Kunstakademie) gefragt, "Herr Lang, darf ich Bilder von Ihnen ausleihen?"  Dann hat er die Frau mit den weißen Haaren, den Wilhelm  und noch ein Bild zusammengepackt. Nach einer Woche gab er sie mir wieder: "Das ist nicht durchgegangen." Er  wollte mit meinen Bildern erreichen, dass er eine Malklasse bekommt.

Nach Ablauf der zwei Jahre  sagten meine beiden Kollegen, sie gingen zum Professor Göbel.  Da bin ich mit ihnen gagangen und nach einem Jahr Meisterschüler von Göbel geworden. Ich habe ein Atelier bekommen, den Schlafplatz hat die Schule bezahlt, die die Räume zur Verfügung hatte.

 

Auf die Frage, dass in seinen Bildern so wenig Einfluss des Impressionisten Göbel zu sehen sei, vermutet er:

 

Göbel hatte möglicherweise zu viel Respekt  vor dem großen Meister Dix, so dass er sich nicht getraut hat, mir dreizureden. Er hat mich einfach machen lassen, und da ich von ihm nie Bilder gesehen habe, konnte ich auch von ihm nichts abschauen. Aber er hat mich nie korrigiert.

 

in der Schule habe es nur Kopf- und Aktmalen gegeben, man sei nie nach draußen gegangen. Seine in diesen Jahren in den Ferien gemalten Alpenbilder zeigen noch am ehesten die impressionistisch - pointallistische Charakteristik und wurden auch ausgestellt. Anderes nicht. Dass sein Verhältnis zu Göbel nicht ungespannt war, belegen folgende Anekdoten:

 

Ich habe dann im Atelier angefangen zu malen und da reingebuttert: ein Selbstportrait  in einem grellen gelben Mantel , mit Krawatte, farbig, mit rot  in den Ohren. Das Bild ist verbrannt bei der Bombardierung. Auf einmal kommt der Professor, um zu sehen, , was in meinem Atelier los ist - ob da geschafft wird, oder ob ich da Weiber habe. Da sieht er das Bild und fragt: "Warum haben Sie das Bild nicht zur Ausstellung gegeben?"  Ich sage: "Ja.."  Da hat er sich auf dem Absatz rumgedreht und  ist wortlos gegangen - ja, jeder Professor möchte doch zeigen, dass seine Schüler etwas sind.

 

Zum Schulabgang hatte er mich eingeladen zu einem Kaffee  und  gesagt: "Sie haben den Gestellungsbefehl. Darf ich Ihnen einen guten Rat geben?  Gehen Sie zur Sanität. Sie sind Kunstturner? Seien Sie nicht zu tüchtig - aber auch nicht der Schlechteste."  Ich war ja im Dorfverein, aber das Strammstehen hat mir nicht so gepasst. Der Rat hat mir gut getan, den habe ich befolgt.

 

Aus den Lebenserinnerungen Karl Langs, aufgezeichnet von Klaus Antons

 

 

 

Karl Lang Archiv Büsingen
Kirche in Russland, 1942, Öl auf Leinwand, 42,5 x 35 cm

 

 

Kriegsjahre

 

Aus den Aufzeichnungen von Klaus Antons über das Leben Karl Langs:

 

Der zweite Weltkrieg hatte begonnen, als er sein Studium abschloss. Im April 1940 wurde er eingezogen.

 

Er wurde zum Sanitäter ausgebildet, nach einem Schulterdurschschuss wieder eingezogen  und mit der Armee quer durch Europa verfrachtet: von der Tscheschei

nach Frankreich, dann an die Ostfront, wo er das Glück hatte, aus dem Stalingrader Kessel zu entkommen.

Er habe weder den Krieg gemocht, noch die Nazis, lieber habe er gemalt. Das Angebot, Unteroffizier zu werden, habe er ausgeschlagen - unter anderem, weil man die Unteroffiziere gehasst habe. Er berichtet auch vom Widerstand gegen Schikanen und Strafversetzungen; offenbar gelang es ihm, mit Mutterwitz  manchen riskanten Situationen zu entkommen. Mehrfach fand er bei den Vorgesetzten Gönner, die ihm eine günstige Position verschafften, so dass er  malen konnte. Die Weißruthenin sowie das Bild von Witebsk entstanden, aber auch Auftragsportraits. Eine künstlerische Entwicklung in den Kriegsjahren ist kaum anzunehmen, er weiß jedenfalls darüber nichts zu berichten. Nach der Kapitulation macht er sich auf die Flucht nach Westen, wird auf deutschem Boden gefangengenommen und von Strassburg  aus in ein Lager in Südfrankreich verbracht. Nach einem Jahr in französischer Kriegsgefangenschaft ist er  imFrühjahr 1946 wieder zu Hause.

 

 

 

 

    Karl Lang Portrait Archiv Büsingen
Mädchen vom Bodensee, 1936, Öl auf Leinwand, 41x31 cm

Karl Lang Archiv Büsingen
Berg am Sustenpass, 1978, Öl auf Leinwand, 45,5 x 34,5 cm
Karl Lang Archiv Büsingen
Portrait eines Mannes mit Mütze, 1936, Bleistift und schwarze Kreide, 36 x 33 cm
Karl Lang Archiv Büsingen
Steinbruch in Südfrankreich, 1938, Öl auf Leinwand, 33 x 41 cm

 

 

Zusammen mit seinem Schwager Guy Smith-Barry unternahm Karl Lang Reisen in die Alpen und nach Südfrankreich. Das Motiv vom Steinbruch aus Südfrankreich, wahrscheinlich Les Baux de Provence, unweit von St Remy gelegen, wurde auch von Claire Bertrand-Eisenschitz sowie von Guy Smith-Barry umgesetzt.

 

 

 

Karl Lang Portrait Archiv Büsingen
Junger Mann, 193?, Öl auf Spanplatte, 50x35 cm
Karl Lang Archiv Büsingen
Regensberg bei Zürich, Öl auf Leinwand, 46,5 x 55 cm
Karl Lang Archiv Büsingen
Bergkette, 1969, Öl auf Leinwand, 70,5 x 89 cm
Karl Lang Archiv Büsingen
In der Maschinenfabrik Fahr, 1937, Radierung, 63,5 x 49 cm

 

"Mit vierzehn bin ich aus der Schule, daheim waren Vater und Brüder alle arbeitslos, aber ich habe das nicht lange gemacht. Ich bin losgezogen ins Ebnat raus  und habe bei der Maßstabfabrik Arbeit bekommen, mit 14 Jahren..."

Aus den Lebenserinnerungen Karl Langs, aufgezeichnet von Klaus Antons

 

 

 

Karl Lang Archiv Büsingen
Stilleben, Fische auf blauer Platte, 1986, Öl auf Spanplatte, 32 x 39,5 cm
Karl Lang Archiv Büsingen
Totenkopf, 1937, Öl auf Karton, 47 x 36 cm

 

"Nach zwei Jahren habe ich zum Professor gesagt: Ich will nicht Graphiker werden, ich will nicht zwei Jahre herumzeichnen, ich bin Maler! Der Siebert war ein feiner Kerl und antwortete: Bringen Sie Ihren Malkasten mit! Alle Anderen haben dann gezeichnet und ich habe gemalt.

Über Sonntag  hatte ich nichts zu tun, ich hatte doch kein Geld, um Lustbarkeiten mitzumachen. Da habe ich den Pedell gebeten, mich in die  Akademie einzuschließen. Da hat es dann Totenköpfe gegeben zum Zeichnenlernen; an diesem Sonntag habe ich dann den Totenkopf gemalt. Der Professor war dann überrascht, als er das sah. Kommen Sie, sagte er, und führte mich in den Aktsaal. Da habe ich dann meine Sachen aufgebaut und als einziger Maler dort gemalt."

Aus den Lebenserinnerungen Karl Langs aufgezeichnet von Klaus Antons

 

 

 

Karl Lang Portrait Archiv Büsingen
Fräulein Stein mit ärmellosem roten Pullover, 1939, Öl auf Spanplatte, 50x35 cm
Karl Lang Archiv Büsingen
Selbstportrait, Öl auf Sperrholz, 82 x 52 cm
Karl Lang Archiv Büsingen
Breithorn, 1969, Öl auf Leinwand, 72,5 x 102 cm
Karl Lang Archiv, Büsingen
Stilleben mit Blumenvase und Zitronen, Öl auf Leinwand, 27 x 24 cm
Karl Lang Portrait Archiv Büsingen
Erwin und Margrit, 1937, Öl auf Papier, 46x33,5 cm
Karl Lang Archiv Büsingen
Guy Smith Barry - zum Gedenken, Bleistift, 13,5 x 9,5 cm
Karl Lang Archiv Büsingen
Auf Muottas Muraghel, 1972, Öl auf Leinwand, 54 x 65 cm
Karl Lang Archiv Büsingen
Vase mit Tulpen, Öl auf Karton, 54 x 38 cm
Karl Lang Archiv Büsingen
Konrad Güntert, Kopf in die Hand stützend, frz. Kreide, 36 x 29 cm
Karl Lang Selbstportrait Archiv Büsingen
Selbstportrait,1938, Öl auf Karton, 54,5x38 cm
Karl Lang Archiv Büsingen
Weisshorn und Zinalrothorn, Öl auf Leinwand, 50 x 65,5 cm
Karl Lang Portrait Archiv Büsingen
Zigeuner, 1938, Öl auf Spanplatte, 42x35,5 cm

 

Nach dem Krieg habe ich den Zigeunerkopf  und das Kind und noch etwas unter den Arm genommen und bin zum Professor Schaad  (Werner Schaad, 1905-1979, Schaffhauser Maler, von 1949 - 1956 Konservator am Museum Allerheiligen, Schaffhausen).

Er hat sie angeschaut und mich gefragt, ob ich Bildhauer sei, wohl weil der Kopf vom Zigeuner so ausmodelliert sei.  Ich habe dann gesagt, dass ich von Büsingen sei, ob es da nicht eine Möglichkeit gäbe, im Kunstverein auszustellen. Er hat mich dann zum Sekretär vom Kunstverein verwiesen und der hat gesagt:  "Sehen Sie, wir haben so viele Leute, die Bilder für Ausstellungen eingeben, da können wir nicht noch einen Ausländer nehmen. Da habe ich gesagt: "Gut, dann weiß ich, woran ich bin."

 

Aus den Lebenserinnerungen Karl Langs, aufgezeichnet von Klaus Antons

 

 

Karl Lang Archiv Büsingen
Häuser in Winterlandschaft in Südfrankreich, Öl auf Spanplatte, 46,5 x 38,5 cm
Karl Lang Portrait Archiv Büsingen
Mann mit Pelzmütze, 1938, Öl aufSperrholz, 53x41,5 cm
Karl Lang Archiv Büsingen
Jungfrau, 1969, Öl auf Leinwand, 65 x 91 cm
Karl Lang Portrait Archiv Büsingen
Weißruthenin mit Kopftuch, 1942, Öl auf Leinwand, 34,5x29 cm
Karl Lang Archiv Büsingen
Witebsk, 1944, Öl auf Karton, 36 x 39 cm
Karl Lang Portrait Archiv Büsingen
Selbstportrait, 1991, Öl auf Spanplatte, 46x38 cm
Karl Lang Archiv Büsingen
Piz Rotondo im Bedrettotal, Öl auf Leinwand, 50 x 75 cm
Karl Lang Portrait Archiv Büsingen
Eva, nicht datiert, Papier auf Spanplatte, 26,5x24,5 cm
Karl Lang Archiv Büsingen
Im Wallis, Weisshorn und Zinnalrothorn, 1938, Öl auf Karton, 27 x 35 cm
Karl Lang Portrait Archiv Büsingen
Frauenportrait mit weißem Kragen, 1943, Öl auf Leinwand, 46x37,5 cm
Karl Lang Archiv Büsingen
Val Torta mit Cristallina, Sich ab Gotthart, 1968, Öl auf Leinwand, 50 x 65 cm

 

 

Aus den Aufzeichnungen von Klaus Antons über das Leben Karl Langs:

 

Zwischen 1967 und 1987 geht er oft mit seinem Schwiegersohn Franz und dessen Familie in die Schweizer Berglandschaften und ins Ausland. Franz, ein begeisterter Bergwanderer, bewährt sich dabei als Träger und als Motivlieferant:

 

Die mächtigen Dinger (Jungfrau und Mönch, Weisshorn sowie Zinalrothorn u. a.) haben mich fasziniert. Franz hat mir, wenn es gestürmt hat, die Staffelei gehalten, damit die nicht fortweht. Der Schwager, ein Engländer, den meine Schwester geheiratet hat, der war Bergsteiger - er war in Korsika, im Himalaya, inder Schweiz. Der hat mich dann auch ins Wallis und nach Südfrankreich eingeladen.

 

 

 

Karl Lang portrait Archiv Büsingen
Pferdehalter, nicht datiert, Öl auf Spanplatte, 51,5x42 cm
karl lang portrait Archiv Büsingen
Großmutter Sauer im Sterben, 1943, Öl auf Leinwand, 45,5x37 cm
Karl Lang Archiv Büsingen
Piz Cambrena, 1972, Öl auf Leinwand, 54 x 65 cm
Karl Lang Archiv Büsingen
Stilleben mit Spiegel, Blumen..., 1947, Öl auf Leinwand, 65,5 x 54 cm
Karl Lang Archiv Büsingen Portrait
Knabenportrait, 1980, Öl auf Leinwand, 41 x 31 cm
Karl Lang Archiv Büsingen
Zianlrothorn, 1975, Öl auf Leinwand, 64,5 x 45 cm
Karl Lang Archiv Büsingen
Frauenportrait mit roter Jacke, 1938, Öl auf Sperrholz, 44 x 32 cm
Karl Lang Archiv Büsingen
Mönch, 1973, Öl auf Leinwand, 60 x 81 cm
Karl Lang Archiv Büsingen Portrait
Frau mit orangeroter Bluse, nicht datiert, Öl auf Karton, 48,5 x 39,5 cm
Karl Lang Archiv Büsingen
Vase mit Blumen neben Statue, Öl auf Karton, 54 x 38 cm
Karl Lang Archiv Büsingen Portrait
Konrad Güntert, 1938, Öl auf Karton, 48,5 x 38 cm
Karl Lang Archiv Büsingen
Stilleben mit Silberdistel und Rosen, 1957, Öl auf Leinwand, 46 x 55 cm